Weihrauch - Ein pflanzlicher Wirkstoff gegen Entzündungen
Dem Harz des Weihrauchbaumes werden starke entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben. Aus diesem Grund kann es bei verschiedenen chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie Morbus Crohn, Multipler Sklerose, Gelenkverschleiß oder Schuppenflechte unterstützend wirken. Nachfolgend erfahren Sie mehr über die Anwendungsmöglichkeiten und worauf Sie beim Kauf entsprechender Produkte achten sollten.
Weihrauch – bereits in der Antike als Arznei geschätzt
Die meisten Menschen verbinden Weihrauch, auch Boswellia genannt, in erster Linie mit kirchlichen Zeremonien. Dort wird das Harz traditionell geräuchert und steht symbolisch für Reinigung, Ehrerbietung, Gebet und die göttliche Präsenz. Sein Duft ist harzig-frisch mit einer zitronigen Note.
Auch abseits von Gotteshäusern wird Weihrauch gerne verräuchert. Dem Rauch wird nachgesagt, dass er negative Schwingungen und düstere Gedanken vertreiben kann, den Geist erfrischt und die Konzentration fördert. Früher wurden mit ihm sogar Wohnräume von Keimen befreit – sowohl im energetischen als auch im hygienischen Sinne.
Weniger bekannt ist, dass Weihrauch in der traditionellen Medizin vieler Kulturen seit Jahrhunderten einen festen Platz hat. Schon die Römer und Griechen der Antike nutzten ihn beispielsweise zur Förderung der Wundheilung. Im indischen Ayurveda wiederum ist er seit Langem ein bewährtes Mittel bei Gelenkbeschwerden.
Im 19. Jahrhundert war das Harz auch in Europa für seine schmerzlindernde Wirkung bei Gelenkproblemen bekannt, geriet dann aber in Vergessenheit. Erst in den 1980er-Jahren wurde es von der modernen Medizin wiederentdeckt.
Weihrauch ist das Harz von Bäumen der Gattung Boswellia, von der es etwa 20 bis 30 verschiedene Arten gibt. Diese Bäume bevorzugen trockene Standorte – sie sind auf der Arabischen Halbinsel, in verschiedenen Teilen Afrikas, in Indien und Pakistan heimisch. Die bekanntesten Arten sind:
- Boswellia serrata: beheimatet in Indien und Pakistan
- Boswellia sacra: vorkommend im Jemen und Oman
- Boswellia carterii: heimisch in Somalia (wird teils als eigene Art, teils als Varietät von Boswellia sacra betrachtet)
- Boswellia papyrifera: beheimatet in Äthiopien und Eritrea
Zur Gewinnung des Harzes wird die Rinde des Baumes angeritzt, woraufhin das Harz austritt. Durch den Kontakt mit Sauerstoff trocknet es und es bilden sich Harztröpfchen, die später geerntet werden können.
Die erste Ernte liefert meist ein dunkleres, bräunlich bis schwärzliches Harz mit vielen kleinen Stücken. Spätere Ernten ergeben ein reineres und helleres Produkt. Die Harzstücke, die in ihrer Form an Kandiszucker erinnern, können mehrere Zentimeter groß werden.
Aus diesem Rohstoff wird schließlich ein Extrakt hergestellt, der in Kapsel- oder Tablettenform sowohl als Nahrungsergänzungsmittel als auch als Arzneimittel erhältlich ist.
Positive Effekte auf die Gesundheit
Seit den 1980er-Jahren ist das wissenschaftliche Interesse an Weihrauch stark gestiegen, was sich in einer Vielzahl von Studien widerspiegelt. Das Harz enthält Inhaltsstoffe mit entzündungshemmender, antibakterieller, stimmungsaufhellender und schmerzlindernder Wirkung.
Besonders der indische Weihrauch (Boswellia serrata) ist für seine gesundheitsfördernden Eigenschaften bekannt und wurde deshalb ins Europäische Arzneibuch aufgenommen. Doch auch andere Arten besitzen positive Wirkungen, auch wenn sie weniger intensiv erforscht sind.
Basierend auf den Eigenschaften seiner Wirkstoffe ergeben sich folgende mögliche Anwendungsgebiete für das Harz oder den Extrakt:
- Entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn
- Erkrankungen des Bewegungsapparates, beispielsweise Rheuma, Arthritis, Arthrose oder eine Baker-Zyste
- Hauterkrankungen wie Schuppenflechte und Neurodermitis
- Asthma bronchiale
- Multiple Sklerose und bestimmte Hirntumore
Die verantwortlichen Wirkstoffe
Für die gesundheitlichen Vorteile sind unter anderem die verschiedenen im Harz vorkommenden Boswelliasäuren verantwortlich. Als besonders wirkungsvoll gilt die AKBA-Säure (3-O-Acetyl-11-keto-β-boswelliasäure), weshalb sie oft als der wichtigste Inhaltsstoff angesehen wird. Auch die KBA-Säure (11-Keto-β-boswelliasäure) trägt zur Wirkung bei.
Diese Säuren können ein bestimmtes Enzym (5-Lipoxygenase), das normalerweise Entzündungen fördert, so beeinflussen, dass es stattdessen entzündungshemmend agiert. Diese Eigenschaft macht Weihrauch zu einem vielversprechenden Mittel bei allen Erkrankungen, die mit entzündlichen Prozessen einhergehen.
Lange Zeit ging man davon aus, dass ausschließlich die Boswelliasäuren für die gesundheitlichen Effekte verantwortlich sind. Neuere Erkenntnisse zeigen jedoch, dass auch andere Stoffe wie Incensol und Incensolacetat eigenständig entzündungshemmend wirken. Vermutlich ist es das komplexe Zusammenspiel vieler Inhaltsstoffe, das die heilsame Kraft des Weihrauchs ausmacht.
Um die pharmakologischen Wirkungen optimal zu nutzen, wird aus dem Harz ein Extrakt hergestellt, der bereits in zahlreichen Studien erfolgreich getestet wurde.
Zum Räuchern eignet sich besonders gut Boswellia sacra, der omanische Weihrauch.
Anwendung bei Gelenkerkrankungen
Besonders vielversprechende Forschungsergebnisse liegen für den Einsatz von Weihrauchextrakt bei Arthrose vor. Mehrere Studien belegen, dass die Einnahme von Boswellia-serrata-Extrakt bei Arthrosepatienten zu einer Linderung der Gelenkschmerzen und einer Verbesserung der Gelenkfunktion führte. Die täglichen Dosierungen lagen dabei zwischen 100 und 400 mg Boswelliasäuren über einen Zeitraum von mindestens vier Wochen.
Dr. med. Gerhardt, Internist am Universitätsklinikum Mannheim, empfiehlt aufgrund seiner klinischen Erfahrung bei Arthrose jedoch höhere Dosierungen: Er rät zu dreimal täglich zwei Tabletten der Fertigarzneimittel Sallaki® oder H15® (mit jeweils 400 mg Extrakt pro Tablette) über drei bis sechs Monate.
Dr. Gerhardt ist Gastroenterologe und behandelt vor allem Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Da diese häufig auch von Gelenkbeschwerden begleitet werden, konnte er die Wirkung des Harzes in diesem Bereich intensiv untersuchen.
Die Studienlage ist für Arthrose am umfangreichsten. In der traditionellen Medizin und Erfahrungsheilkunde werden Boswellia-Extrakte jedoch auch bei anderen Gelenkschmerzen wie denen bei Arthritis oder rheumatoider Arthritis eingesetzt, wo sie ebenfalls Linderung verschaffen sollen.
Einsatz bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) sind in der modernen Gesellschaft weit verbreitet. Dabei entzünden sich Teile des Darms entweder schubweise oder dauerhaft. Die beiden häufigsten Formen sind Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. Betroffene sind oft ein Leben lang auf medikamentöse Therapien angewiesen.
Aufgrund ihrer entzündungshemmenden Wirkung können Boswellia-Extrakte auch hier unterstützen: In einer klinischen Studie wurde die übliche, nebenwirkungsreiche Medikation bei CED mit Weihrauchextrakt ergänzt. Im Verlauf von vier bis sechs Wochen wurden die Standardmedikamente langsam ausgeschleudert – bei den meisten Teilnehmern verbesserte sich daraufhin das allgemeine Wohlbefinden.
Verwendet wurde dreimal täglich die Dosis von zwei Tabletten à 400 mg Extrakt zusätzlich zur bestehenden Therapie (Kortikoide, Mesalazin, Azathioprin). Sobald die Symptome wie Bauchschmerzen und Krämpfe nachließen, wurde die Vormedikation wöchentlich um eine Tablette reduziert, bis nur noch der Weihrauchextrakt eingenommen wurde. Dieser wurde dann auf eine individuell angepasste Erhaltungsdosis reduziert.
Bei akuten Krankheitsschüben wurde die Dosis vorübergehend auf dreimal täglich drei Tabletten erhöht. Bei dem verwendeten Präparat handelte es sich um das Fertigarzneimittel H15®.
Hilfe bei Schuppenflechte
Auch bei der Behandlung von Schuppenflechte (Psoriasis) wurden positive Erfahrungen gemacht. Psoriasis ist eine entzündliche Hauterkrankung und zählt wie die genannten Darmerkrankungen zu den Autoimmunerkrankungen, die aus schulmedizinischer Sicht als nicht heilbar gelten.
In einer klinischen Studie wurde eine Creme mit Weihrauchextrakt getestet, die einen hohen Anteil (95 %) an AKBA-Boswelliasäure aus Boswellia serrata enthielt. Die 200 Teilnehmer trugen die Creme drei Monate lang dreimal täglich auf die betroffenen Hautstellen auf.
Vorher-Nachher-Vergleiche zeigten eine deutliche Verbesserung des Hautbildes. Zudem normalisierten sich die Entzündungswerte der Probanden: Der Tumornekrosefaktor (TNF-alpha) sank beispielsweise um beachtliche 58 Prozent und erreichte nach drei Monaten wieder ein normales Niveau.
Die in der Studie verwendete Creme ist nicht im Handel erhältlich, es gibt jedoch andere Produkte wie Lotionen, die bei Schuppenflechte und Neurodermitis angewendet werden können.
Anwendung bei Asthma
Auch Asthma ist durch chronische Entzündungen der Atemwege gekennzeichnet, weshalb der Einsatz von Weihrauchextrakt auch hier sinnvoll erscheint.
Eine kleinere Untersuchung aus dem Jahr 1998 mit 40 Teilnehmern deutete bereits darauf hin, dass ein Extrakt aus Boswellia serrata bei Asthma helfen kann. Die Probanden erhielten über sechs Wochen dreimal täglich 300 mg des Extrakts, woraufhin sich die Symptome bei 70 Prozent der Teilnehmer besserten.
In einer neueren Studie aus dem Jahr 2017 kombinierten Forscher den Boswellia-Extrakt mit einem Extrakt aus der bengalischen Quitte, einer ebenfalls im Ayurveda verwendeten Pflanze mit entzündungshemmenden Eigenschaften.
Die 18 Teilnehmer nahmen 56 Tage lang täglich 200 mg dieser Kombination ein. Bereits nach 14 Tagen verbesserten sich die Lungenfunktion und die Entzündungswerte im Vergleich zur Kontrollgruppe. Die Forscher stellten zudem fest, dass die Kombination beider Pflanzenextrakte eine stärkere entzündungshemmende Wirkung entfaltete als jeder Extrakt für sich allein.
Mögliche Unterstützung bei Multipler Sklerose
Auch bei Multipler Sklerose (MS), einer entzündlichen Autoimmunerkrankung mit schubweisem Verlauf, könnte Weihrauch positive Effekte zeigen. Dies legt die sogenannte SABA-Studie von Forschern des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf und der Charité Berlin nahe.
Die 28 Teilnehmer nahmen über acht Monate mehrmals täglich eine Kapsel mit 400 mg Weihrauchextrakt ein. Zu Beginn wurde für jeden Probanden die individuell verträgliche Höchstdosis ermittelt, die dann über den gesamten Zeitraum beibehalten wurde (zwischen 2400 und 4800 mg pro Tag, aufgeteilt auf drei Einzeldosen).
Ab dem fünften Monat zeigte sich unter anderem in der Magnetresonanztomographie (MRT), dass der Extrakt die entzündliche Krankheitsaktivität und die Schubrate reduzieren konnte, was zu einer Steigerung der Lebensqualität der Betroffenen führte. Achtzehn der Teilnehmer setzten die Einnahme freiwillig für bis zu drei Jahre fort – die Wirkung blieb dabei stabil.
Forschung bei Hirntumoren
Auch bei Hirntumoren wurden positive Effekte von Weihrauch beobachtet. Zwar hatte der Extrakt keinen direkten Einfluss auf den Tumor selbst, jedoch konnte er die Schwellung des umliegenden Gewebes (Ödem) verringern.
Dies belegt eine Studie mit 29 Hirntumorpatienten, die täglich zwischen 400 und 1200 mg Boswellia-Extrakt erhielten. In einer weiteren Untersuchung mit 44 Teilnehmern führte eine Dosis von 4200 mg Extrakt ebenfalls zu einer Rückbildung der Schwellung. In beiden Fällen stammte der Extrakt von Boswellia serrata.
Die Gewebeschwellung erhöht den Druck im Schädelinneren, was bei den Betroffenen häufig starke Kopfschmerzen und neurologische Ausfälle verursacht. Weihrauchextrakt könnte also in Zukunft zumindest ergänzend zur Behandlung von Hirntumoren eingesetzt werden.
Es gibt zudem Hinweise auf eine wachstumshemmende Wirkung auf Krebszellen, allerdings liegen dazu bislang nur Labor- und Tierstudien vor.
Als Alternative zu Kortison
Aufgrund seiner entzündungshemmenden, abschwellenden und schmerzlindernden Eigenschaften wird Weihrauch gelegentlich auch als "pflanzliches Kortison" bezeichnet. Tatsächlich gibt es Hinweise, dass er in manchen Fällen Kortison ersetzen oder zumindest dessen Dosis reduzieren könnte.
Kortison gehört zur Wirkstoffgruppe der Kortikoide. In der bereits erwähnten Studie zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen konnten die konventionellen Medikamente (einschließlich Kortikoide) unter begleitender Weihrauch-Einnahme reduziert werden, wobei sich das Befinden der meisten Teilnehmer verbesserte. Weitere Studien bestätigen eine mit Kortison vergleichbare Wirkung von Boswellia.
Bei nahezu allen genannten Erkrankungen kommen Kortikoide zum Einsatz: bei Asthma als Tabletten oder Spray, bei Schuppenflechte als Salbe, bei Gelenkproblemen als Injektion und bei Multipler Sklerose als Infusion. Auch bei Hirntumoren werden Kortikoide zur Ödembehandlung eingesetzt.
Die möglichen Nebenwirkungen von Kortison sind allgemein bekannt: Bluthochdruck, Knochenschwund, Gewichtszunahme, Stoffwechselstörungen oder Hautverdünnung. Daher sollte Kortison nur zurückhaltend und zeitlich begrenzt angewendet werden. Boswellia-Extrakt hingegen zeigt kaum derartige Nebenwirkungen.
Extrakte aus Boswellia carterii
In den meisten Studien wurde der Extrakt des indischen Weihrauchs (Boswellia serrata) verwendet. Untersuchungen des Boswellia-Experten Dr. Charles Fernando konnten jedoch zeigen, dass die Konzentration an Boswelliasäuren in Boswellia carterii möglicherweise sogar höher ist als im indischen Weihrauch. Daher könnte ein Extrakt aus Boswellia carterii unter Umständen noch wirksamer sein.
Bezug von Weihrauchextrakt
Weihrauchextrakte sind sowohl als Nahrungsergänzungsmittel als auch als Arzneimittel erhältlich.
Arzneimittel mit Weihrauchextrakt
In Europa sind – mit Ausnahme der Schweiz – aktuell keine rezeptfreien Arzneimittel mit Weihrauch erhältlich. Lediglich im Schweizer Kanton Appenzell Ausserrhoden sind entsprechende Präparate rezeptfrei verfügbar, da sie dort als pflanzliche Arzneimittel zugelassen sind.
Um Apotheken oder Drogerien in dieser Region zu finden, die solche Medikamente führen, genügt eine Online-Suche mit Begriffen wie "weihrauch appenzell". Die Präparate können dort ohne Rezept erworben werden, müssen jedoch persönlich abgeholt werden, da ein Versand rechtlich nicht zulässig ist.
Paradoxerweise ist es Apotheken (zumindest in Deutschland) jedoch gestattet, Boswellia-Arzneimittel auf ärztliches Rezept aus dem Ausland zu bestellen. Häufig stammen diese aus Indien, wo mehrere geprüfte Fertigarzneimittel erhältlich sind. Die Apotheken dürfen diese Präparate allerdings nicht auf Vorrat halten. Bekannte importierte Arzneimittel aus Boswellia serrata sind beispielsweise:
- Sallaki® (Hersteller: Gufic, Indien)
- H15® (Hersteller: Gufic, Indien)
- Indian Boswellia® (Hersteller: Indian Boswellia Lab, Indien)
Im Internet gibt es zahlreiche Anbieter, die ihre Nahrungsergänzungsmittel unter ähnlichen Namen vertreiben, was zu Verwechslungen führen kann. Wenn Sie eine Behandlung mit einem Weihrauch-Arzneimittel anstreben, lassen Sie sich am besten ein ärztliches Rezept ausstellen.
Weihrauchextrakt aus der Apotheke
Ohne Rezept erhältlich sind hingegen Boswellia-Extrakte aus sogenannten Defekturapotheken. Dabei sollte es sich um einen standardisierten Extrakt gemäß den Vorgaben des Europäischen Arzneibuchs handeln.
"Standardisiert" bedeutet, dass diese Extrakte einen definierten Gehalt an bestimmten Inhaltsstoffen aufweisen. Dies unterscheidet sie von Nahrungsergänzungsmitteln, bei denen dies nicht vorgeschrieben ist.
Fragen Sie in Ihrer Apotheke nach, ob sie Boswellia-Extrakte selbst herstellt oder Ihnen eine entsprechende Apotheke nennen kann. Manche Defekturapotheken bieten ihre Produkte auch online an.
Bekannte Defekturapotheken sind die Klösterl-Apotheke in München und die Receptura Apotheke in Frankfurt. Auf Nachfrage (Stand 23.3.2023) bestätigten beide, dass über sie Weihrauchextrakt-Kapseln bezogen werden können (mit 350 mg Extrakt pro Kapsel und einem standardisierten Gehalt von mindestens 75 bzw. 80 Prozent Boswelliasäuren).
Bei Interesse nehmen Sie per E-Mail Kontakt mit der jeweiligen Apotheke auf. Die Bestellung kann dann online erfolgen.
Äußerliche Anwendung: Cremes mit Weihrauchextrakt
Bei Gelenkbeschwerden können Cremes oder Gele mit Boswellia-Extrakt lindernd wirken. Es gibt auch spezielle Cremes für Hautprobleme wie Schuppenflechte oder Neurodermitis. Die meisten Hersteller empfehlen eine ein- bis dreimal tägliche Anwendung auf den betroffenen Stellen mit leichtem Einmassieren.
Achten Sie beim Kauf auf die angegebenen Anwendungsgebiete. Fehlt eine solche Angabe, handelt es sich möglicherweise um ein reines Kosmetikum, das Weihrauch nur wegen des Duftes oder zu Marketingzwecken enthält.
Nahrungsergänzungsmittel mit Weihrauch
Frei verkäuflich sind auch Nahrungsergänzungsmittel mit Boswellia-Extrakt. Sie werden meist in Kapselform angeboten und sind – anders als die Extrakte aus Defekturapotheken – nicht standardisiert. Das bedeutet, es gibt keine verbindlichen Vorgaben zur Herstellung oder zum Gehalt bestimmter Inhaltsstoffe.
Weihrauchextrakt gilt als sicher und seine Nebenwirkungen sind weitaus geringer als die vieler zugelassener Medikamente. Ob ein bestimmtes Nahrungsergänzungsmittel bei Ihren Beschwerden hilft, kann individuell unterschiedlich sein.
Kaufkriterien für Nahrungsergänzungsmittel
Bei der Auswahl eines geeigneten Nahrungsergänzungsmittels können folgende Punkte hilfreich sein:
Aus welcher Boswellia-Art stammt der Extrakt? Die meisten Produkte basieren auf Boswellia serrata – hierzu liegt die umfangreichste Studienlage vor. Es gibt jedoch auch Extrakte aus Boswellia carterii, die möglicherweise höhere Konzentrationen an Boswelliasäuren aufweisen. Dazu gibt es allerdings weniger Studien.
Wie hoch ist der Extraktgehalt pro Kapsel? Die meisten Präparate enthalten zwischen 300 und 500 mg Extrakt pro Kapsel, was den in Studien verwendeten Dosierungen entspricht. Allerdings wurden in Studien meist standardisierte Präparate untersucht, während der Gehalt an Boswelliasäuren bei Nahrungsergänzungsmitteln stark variieren kann. Die Wirkung ist daher nicht direkt vergleichbar.
Wie hoch ist der Anteil an Boswelliasäuren? Diese Angabe erfolgt meist in Prozent, z.B. "mit 80 % Boswelliasäuren". Ein höherer Prozentsatz ist grundsätzlich besser. Die Angabe sollte jedoch genau geprüft werden, da sie sich nicht immer auf die Gesamtmenge des Extrakts bezieht.
Idealerweise sollte das Produkt auch angeben, welche Boswelliasäuren enthalten sind – insbesondere die entzündungshemmenden AKBA und KBA. Auch hier gilt: Je höher der Gehalt, desto besser.
Mit oder ohne Mizell-Technologie? Da Weihrauch vom Körper nur begrenzt aufgenommen wird, gibt es Kapseln mit Mizell-Technologie. Dabei werden die Boswelliasäuren von fett- und wasserlöslichen Hüllen umschlossen, was die Aufnahme ins Blut verbessern soll.
Eine Tierstudie zeigte eine über 50-fach höhere Bioverfügbarkeit solcher Kapseln. Allerdings enthalten Mizell-Präparate häufig Zusatzstoffe wie Polysorbat 20, das die Aufnahme von fettlöslichen Schadstoffen fördern kann. Von einer langfristigen Einnahme wird daher abgeraten. Herkömmliche Präparate entfalten ihre Wirkung in der Regel erst nach etwa vier Wochen.
Ob Mizell-Präparate aufgrund der besseren Bioverfügbarkeit tatsächlich schneller wirken, ist wissenschaftlich bislang nicht untersucht. Ob sie herkömmlichen Präparaten grundsätzlich überlegen sind, lässt sich daher derzeit nicht abschließend beurteilen.
Farb- oder Süßstoffe sind in Boswellia-Nahrungsergänzungen meist nicht enthalten, gelegentlich jedoch Trenn- oder Füllstoffe. Ein Blick auf die Inhaltsstoffe lohnt sich daher.
Die richtige Einnahme
Je nach Hersteller, Extraktgehalt und Boswelliasäuren-Konzentration werden meist zwei bis vier Kapseln täglich empfohlen, manchmal auch höhere Dosierungen. Die genaue Verzehrempfehlung finden Sie in der Regel auf der Packung.
Da die Boswelliasäuren fettlöslich sind, sollten die Kapseln idealerweise während oder direkt nach einer Mahlzeit eingenommen werden – dies verbessert die Aufnahme erheblich. Auch mögliche Nebenwirkungen wie Magenbeschwerden lassen sich so reduzieren.
Bei chronischen Erkrankungen sollten Sie Ihren Arzt über die Einnahme von Weihrauchextrakt informieren, damit die Therapie optimal abgestimmt und die Dosierung individuell angepasst werden kann.
Wann setzt die Wirkung ein?
Studien zeigen, dass die Wirkung des Extrakts in der Regel erst nach etwa vier Wochen regelmäßiger Einnahme eintritt.
Nebenwirkungen und Wechselwirkungen
Bei der Einnahme von Weihrauchextrakt – egal ob als Arzneimittel oder Nahrungsergänzung – können selten Hautrötungen oder Magenunverträglichkeiten auftreten. In den untersuchten Dosierungen (bis zu 1000 mg pro Kilogramm Körpergewicht) zeigte der Extrakt keine toxischen Effekte. Berichte über Schäden durch Langzeiteinnahme liegen nicht vor.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind jedoch nicht ausgeschlossen. Insbesondere bei der Einnahme von Blutverdünnern (Antikoagulanzien) sollte auf Boswellia-Extrakt verzichtet werden, da er deren Wirkung möglicherweise abschwächen könnte.
Weihrauchextrakt – ein natürlicher Entzündungshemmer mit Potenzial
Weihrauchextrakt kann bei vielen Erkrankungen als natürlicher Entzündungshemmer eingesetzt werden. Er verursacht selten Nebenwirkungen und hat bereits zahlreichen Menschen geholfen, die ansonsten auf langfristige, nebenwirkungsreiche Medikamente angewiesen wären.
Es bleibt zu wünschen, dass das wissenschaftliche Interesse an Boswellia als Heilpflanze anhält, sodass dieser natürliche Entzündungshemmer in Zukunft häufiger in die Behandlung integriert wird.